2016-01-23 Stuss von der „grünen Woche“

„Kinder sollen kochen lernen…“ das stellt sich der bislang unauffällig blass gebliebene CSU-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt also vor und die „TAZ“ berichtet  darüber.

Generationen von Erzieherinnen haben in den Kindergärten der vorvergangenen Jahrzehnte zusammen mit den Kleinsten unserer Gesellschaft die Freude am Kochen und gemeinsamen Essen praktiziert. Dann kamen die „modernen“ Bildungspolitiker und mit Ihnen das „Qualitätswesen“ und in ihrem Fahrwasser die „Hygienevorschriften“ (Beides übrigens Attribute aus der normenverseuchten EU-Wirtschafts-Bürokratie)  Und die „Kindergärten“ wurden zu „Kindertagesstätten“ in denen fremdhergestelltes Essen gereicht werden sollte (ein Speisezettel zum Davonlaufen und eine Pampe sondersgleichen – aber das werden wir in unseren Altersheimen die dann Seniorenresidenzen genannt werden auch noch zu spüren bekommen). Die Erzieherinnen wurden mit viel zusätzlichem Verwaltungsaufwand (so hatten sie dann auch keine Zeit mehr die sinnvollen Koch- und Backstunden, die sie vorher mit den Kindern selbstverständlich gemacht hatten, weiterzuführen…) damit beauftragt das Essen auf Temperaturen und auf Qualität zu prüfen und es den Kindern quasi als Menue zu kredenzen. Die Wünsche der kleinen „Kunden“ und ihrer „Erfüllungsgehilfen“ (Eltern) mündeten in einer frühkindlichen Esskultur, die nicht weit entfernt vom Schweinetrog in einem Mastbetrieb einzuordnen ist.

Und jetzt soll diese politische und gesellschaftliche Fehlentwicklung der „Esskultur“ in der frühkindlichen Lebenserziehung – eigentlich eine der Hauptaufgaben der elterlichen Fürsorge und Erziehung, unterstützt durch das „spielerische Erlernen und Erleben“ dieser sozialfördernden (Über-)Lebensstrategie in den Kindergärten – also durch schulische Vermittlung „repariert“ werden?

Hoffentlich werden diese Politik und diese Politiker genau mit diesen „Früchten“ ihres Wirkens zeitlebens bestraft!

„Ernährung“ als Schulfach

Kinder sollten kochen lernen

In Berlin feiert die Grüne Woche den gesellschaftlichen Wandel beim Umgang mit Lebensmitteln. Doch was lernen Kinder in der Schule?

Vorbildlich verspeisen diese Kinder ihre Vitamine. Foto: ap

BERLIN taz | Die Wertschätzung für Lebensmittel ist in der jungen Generation am geringsten. Zumindest nach dem Ernährungsreport, den Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) soeben auf der Grünen Woche in Berlin vorgestellt hat: Demnach werfen zwei Drittel der Jugendlichen mindestens einmal in der Woche Essen in den Müll. „Bei der älteren Bevölkerung ist das deutlich geringer“, stellte Schmidt fest. Der Geringschätzung will Schmidt mit Aufklärung begegnen. „Wir brauchen in Deutschland ein Schulfach Ernährung“, fordert Schmidt und kündigte an, mit der Kultusministerkonferenz (KMK) Gespräche führen zu wollen.

Die Volksmeinung wähnt der Minister auf seiner Seite, gaben doch 92 Prozent der für die Ernährungsstudie Befragten an, sie würden einen „verpflichtenden Unterricht über eine gesunde Ernährungsweise in den Schulen“ befürworten. Der CSU-Minister ist nicht der Erste, der eine Ernährungswende über die Schulbank anstrebt.

Schmidts Vorvorgängerin Renate Künast (Grüne) versuchte in ihrer Amtszeit als Landwirtschaftsministerin ebenfalls, die KMK zu diesem Schritt zu bewegen – erfolglos. „Die damalige KMK-Vorsitzende Dagmar Schipanski wollte das nicht“, erinnert sich Künast. „Kinder wissen heute viel über Autos und Computer, aber über ihren eigenen Körper und die Ernährung lernen sie zu wenig“, glaubt die Grünen-Politikerin. So fällt der Rückblick auf ihre Impulse als Verbraucherschutzministerin „zwiespältig“ aus, wie sie sagt: „Wir haben zwar jetzt massenhaft Modellprojekte, es fehlt aber die flächendeckende Umsetzung“ einer Schulbildung für gesunde Ernährung.

Die KMK ihrerseits hat in den Jahren 2012 und 2013 zwei Grundsatzschlüsse zur „Verbraucherbildung an Schulen“ getroffen. Darin ist „Ernährung und Gesundheit“ allerdings nur eines von vier Themengebieten, die stärker in den Unterricht einfließen sollen – neben Wirtschaft, Medien und nachhaltiger Entwicklung.

KMK: Ein eigenes Schulfach sei nicht nötig

„Das Thema Ernährung“, lässt die KMK auf Anfrage ausrichten, „ist in allen 16 Ländern Teil der Lehrpläne und wird in verschiedenen Unterrichtsfächern, wie Sachkunde, Hauswirtschaft, Biologie, sowie fachübergreifend und durch verschiedene extracurriculare Maßnahmen aufgegriffen.“ Ein eigenes Schulfach sei daher nicht nötig, Ernährung komme im Unterricht ausreichend vor. Zumal angesichts der bestehenden Stundenpläne, so ein KMK-Sprecher, eine weitere Ausdehnung des Fächerkanons kaum akzeptiert werden würde.

Dass Ernährungsfragen in den Schulen ausreichend behandelt würden, bestreitet Lotte Rose von der Fachhochschule Frankfurt. Selbst wenn Ernährung im Stundenplan auftaucht, werde viel zu theoretisch und kopflastig vermittelt. Nötig sei, den Schülern auch den praktischen Umgang mit Lebensmitteln – sprich kochen – beizubringen.

  1. ROSE, FACHHOCHSCHULE FRANKFURT

„Die Schüler müssen auch den praktischen Umgang mit Lebensmitteln – sprich kochen – lernen“

Am besten über das Schulessen, betonte Rose kürzlich auf einer Bildungskonferenz von „Slow Food“, einer Bewegung für nachhaltige Ernährung, in Berlin. „Leider gibt es zwischen der Bildungsebene und der Versorgungsebene in den deutschen Schulen kaum Berührungen“, bedauerte Rose.

Lobbyschulmaterial statt neutraler Information

Die meisten Schulen sind ohne eigene Küchen und beziehen das Essen von Cateringfirmen. Ernährungsbildung brauche eine Renaissance der Schulküchen. Da einheitliche Lehrpläne fehlen und die Ausgestaltung des Ernährungsthemas weitgehend dem Gusto des jeweiligen Lehrers folgt, sind anderen Einflüssen Tür und Tor geöffnet.

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat in den vergangenen Jahren eine massive Zunahme von Unterrichtsmaterialien festgestellt, die von der Lebensmittelindustrie den Schulen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. So vertreibe der Schokoladenhersteller Ritter Sport eine Unterrichtsmappe an Biologie- und Geschichtslehrer, in der Schokolade als „ein Stückchen Energie“ dargestellt werde, das „schmerzlindernd“ und „gut für Herz und Kreislauf“ sei, berichtet Oliver Huizinga von foodwatch. Auch Dr. Oetker, Kellogs oder der Zwiebackhersteller Brandt vermischten Nahrungsinformation mit Produktwerbung.

Neutrale Information, wie sie der vom Landwirtschaftsministerium finanzierte Agrar-Informationsdienst aid herausgibt, müssten die Lehrer bezahlen, kritisiert Huizinga. Eine entsprechende Beschwerde hat die KMK abgebügelt: Die Schulen seien auf das Sponsoring aus der Wirtschaft angewiesen. Und im Übrigen seien die Lehrer kritisch genug, unerwünschte Werbeeinblendungen auszusparen.

TAZ vom 20.01.2016

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “2016-01-23 Stuss von der „grünen Woche“

  1. Fürchterlich. In unserer kita wurde gerade die Köchin eingespart. Jetzt gibt es verschiedenfarbige Pampe vom biokinderlieferservice. Wenn ein Kind nicht erscheint sind die Erzieher gezwungen die eingeschweißte Pampe wegzuschmeissen. Weitergeben verboten. Hygienevorschrift

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